Die Twitter-Bio entwickelt sich zu einer eigenen Kunstform. Jüngstes Beispiel: Wolfgang Büchner. Der Ex-Spiegel-Chefredakteur spielt in seiner Selbstbeschreibung mit einem Zitat von Samuel Beckett: „Ever tried. Ever failed. No matter. Try Again. Fail again. Fail better.“ Hier sind die schönsten Beispiele der 160-Zeichen-Kleinkunst aus meiner Timeline.

„I dream often, I dream BIG. Paasionate about connecting people using technology. Founded 3 kids. raised a few startups. Music addict. Tweeting also in Hebrew.“ @sageeb

Stilkritik: Klingt alles schön poetisch, mit einer Priese Ironie. Das gefällt mir. Pluspunkte für den Einsatz von Majuskeln als Stilmittel. Der letzte Satz macht es irgendwie aber kaputt. Der klingt so geschäftsmäßig.

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„NASA Astronaut“ @astro_reid

Stilkritik: 160 Zeichen vollschreiben? Ich bin das geworden, was ihr alle werden wolltet, als ihr klein wart. Damit ist genug gesagt.

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„Redakteurin. Menschen, Medien, Sensationen.“ @Sonja_Alvarez

Stilkritik: Der Substantiv-Klassiker. Besticht durch Kürze und seinen stakkatohaften Rhythmus. Damit vermeidet die Autorin praktischerweise auch die Frage, ob man von sich selbst in der dritten Person schreiben sollte.

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„Auf der Suche nach WLAN oder einer Steckdose. Journalistin. Wort, Video, Social. Multimedia-Digitalista. Beruflich bei unterwegs.“ @luisante

Stilkritik: Herrlich. Ich kann mich sofort mit der Nutzerin identifizieren. Lina Timm hat eine Twitter-Bio in perfekter Balance zwischen unterhaltsam und informativ.

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„Kämpfer für Freiheit und Gerechtigkeit und Vorsitzender der @sekor

Stilkritik: Ziemlich hoch gegriffen. Ironie? Vermutlich. Oder ist Stefan Körner auch ein Kämpfer für mehr Pathos in Twitter-Bios?

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„Wir brauchen eine breite, gesellschaftliche Debatte über den Schutz von Privatheit im Internet.“ @PriProSNV

Stilkritik: Nicht nur Tweets, auch die Twitter-Bio kann man zweckmäßig für politische Statements nutzen. Diese Selbstbeschreibung lässt potenzielle Follower wissen: Hier werden keine Katzenbilder getwittert, hier geht es zur Sache.

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„…der Trend geht zum Zweit-Account. Hier laufen nur automatisierte Statusmeldungen auf. Meinen Hauptaccount gibt es hier: @richardgutjahr

Stilkritik: …Profis haben nicht nur ein Twitter-Konto, ihr Anfänger. Mit diesem Status weist uns Richard Gutjahr auf aktuelle Trends hin UND stellt sich gleichzeitig vor. Der Verweis auf den Hauptaccount macht es einem nicht gerade schmackhaft, diesem Account zu folgen (automatisierte Statusmeldungen, bäh). Hat trotzdem mehr als fünf Mal so viele Follower wie ich. Irgendwas scheint er also richtig zu machen.

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„Dies über alles: Dir selber sei treu! Und daraus folgt, so wie die Nacht dem Tage, du kannst nicht falsch sein gegen irgendwen – Foto: @klauspeukert

Stilkritik: William Shakespeare auf Twitter. Need I say more?

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“ “ @PatrickSensburg

Stilkritik: Zu cool für eine Twitter-Selbstbeschreibung. Trotzdem auf dem Dienst vertreten. Aber auf dem Schulhof fand man ja auch immer den Typen toll, der einen nicht beachtet und geheimnistuerisch in der Ecke geraucht hat. Hofft da jemand auf den Effekt der umgekehrten Psychologie?

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„2002: I was sent to the principal for putting a cheese doodle in my bellybutton because life isn’t always fair.“ @lenadunham

Stilkritik: Ich hätte nichts weniger von ihr erwartet. <3

Ihr hättet auch gerne so eine tolle Bio, hat aber keinen Plan, wie ihr so was schreibt? Kein Problem, probiert einfach mal den Bio-Generator. Ich hafte aber nicht für die Ergebnisse.

Welche Biographie-Perlen kennt ihr sonst noch so, was macht eine tolle Bio aus? Twittert unter dem Hashtag #bioperlen oder schreibt in den Kommentaren.

Aufmacherbild: mkhmarketing via Flickr/ CC BY 2.0. Nachträglich bearbeitet.